Siedlungsreste aus der Eisenzeit entdeckt

Das Areal des Baugebiets Mittelbuchen-West war nachweislich bereits vor 2600 Jahren besiedelt

Am Südhang des Lützelberges wird in absehbarer Zeit ein neues Wohngebiet entstehen. Daher wurden im Vorfeld der Erschließungsarbeiten im Spätsommer auf der Flur „Auf den Schelmsgräben“ archäologische Untersuchungen vorgenommen.

Den Archäologen ist inzwischen bekannt, dass Mittelbuchen ein „archäologisches Schatzkästlein“ ist. Dieser Ansicht war auch der zuständige Grabungsleiter Frank Lorscheider. Aus allen Siedlungsepochen, beginnend mit der Steinzeit, wurden in Mittelbuchen Funde entdeckt. So war auch hier die Erwartung sehr hoch und schon bei der Begehung des zukünftigen Baugeländes wurden die Archäologen bereits im Jahr 2004 fündig. Aus der Jungsteinzeit, 5000 bis 2000 v. Chr., dem so genannten Neolithikum, und der Zeit der Bandkeramiker stammen die Funde aus vergangenen Kulturen.

Die Bandkeramik ist die älteste Bauernkultur Mitteleuropas. Namensgebend für diese Kultur waren bandartig geschwungenen Muster auf den Gefäßen. Vor 7500 Jahren begannen auch die Menschen im Gebiet des heutigen Deutschlands erstmals stabile Häuser zu bauen, Keramik zu produzieren, Getreide anzubauen und Tiere zu züchten, kurz: sie legten damit die Wurzeln unserer heutigen Kultur. Zahlreiche Fundplätze und Funde sind bekannt, aus denen das damalige Leben gut rekonstruiert werden kann. So auch in Mittelbuchen.

Es wurden Suchschnitte angelegt, weil zu erwarten war, im Boden noch weitere Befunde zu entdecken. Und so war es dann auch, auf einer ca. 30 auf 70 Meter großen Fläche wurden zwei Schwerpunkte eisenzeitlicher Besiedlung freigelegt. Für die Archäologen war dies eine kleine Sensation. Erstmals in Hessen sind Reste einer Siedlung aus der Eisenzeit, datiert auf das siebente und sechste Jahrhundert vor Christus entdeckt worden. Aus dieser Zeit sind archäologische Befunde selten. Die deutlichen Erdverfärbungen zeigten die Reste von Vorratsgruben an und deuteten auf Pfostenstellungen hin, wahrscheinlich von Gebäuden.

Erstaunt waren die Archäologen auch, als sie feststellten, es muss sich sogar um zwei Siedlungen der Eisenzeitmenschen handeln. Es kann daher vermutet werden, dass hier zwei Generationen gewohnt haben. Dies ergaben die verschiedenen Zeiträume, aus denen die Funde stammen. Und die sagen aus, dass eine Siedlung wohl etwas jünger ist.

An dem Tag, an dem der Fundplatz der Vorratsgrube (Foto) wieder verfüllt werden sollte, war ich wieder einmal als Gast auf dem Grabungsgelände. Plötzlich bückte sich einer der Archäologen und hob aus dem Haufen Erde etwas auf, reinigte dies vorsichtig und hielt es uns vor die Augen. Es war ein Spinnwirtel, der Dank seines guten Auges gefunden und somit der Vergangenheit entrissen wurde.

 

 

 



Die Funde im Bereich des Baugebietes Mittelbuchen-West gelten bei Archäologen als kleine Sensation


Ein weiterer Fund stammt wohl aus der Zeit um 1540 bis 1570 und ist deutlich jüngeren Ursprungs. Es handelt sich um die Reste einer Wasserleitung aus Tonrohren, die, wie man annehmen kann, die Stadt Hanau mit Wasser versorgen sollte. Ob sie diesen Zweck aber jemals auch erfüllte, ist nicht bekannt.
Bereits in den 1980er Jahren sind solche Rohre in der Wachenbuchener Straße gefunden worden und befinden sich im Museum am Obertor. Auf Grund des Richtungsverlaufes könnte sogar angenommen werden, dass es sich um die gleiche Leitung handelt.

Die Tonrohre sind von hoher handwerklicher Qualität und sind vor der Verlegung vor Ort gebrannt worden. Dazu müssen gewaltige Mengen an Holz geschlagen worden sein, um die Brennöfen zu betreiben. Eines aber ist sicher, die Herstellung und Verlegung dieser Leitung war sehr teuer.

Die Archäologische Arbeit wird während der Bauphase weiter fortgesetzt. Die Bauarbeiten werden von den Archäologen begleitet und wer weiß, was noch alles entdeckt wird.

Ernst Gimplinger